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Channel: Creative Commons – Kanzlei Dr. Thomas Schwenke
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Lawrence Lessig (Creative Commons) würde Lachschon.de mögen

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Gestern hat Lawrence Lessig, der Mitbegründer von Creative Commons, einen Vortrag an der Universität Auckland gehalten. Und nachdem ich seine Präsentationen bisher nur von Aufzeichnungen her kannte, durfte ich diesmal live dabei sein. Es war meisterhaft wie er komplizierte Ideen mit wenigen Worten auf den Punkt brachte. Das erstaunliche dabei war, dass Lessig selbst hinter seine Worte zurück trat und gar nicht dem Kult entsprach, der um seine Person herrscht.

Insgesamt war der Vortrag damit etwas sachlicher und weniger rebellisch als der von Richard Stallmann (GNU GPL) vor zwei Monaten. Lessig hat nicht appelliert das Copyright komplett abzuschaffen, sondern es nur der Gegenwart anzupassen. Diese Ansicht hat er mit zwei Thesen belegt:

1. Bild, Musik und Video sind heute das was Literatur früher war

Wer unter 21 ist und nicht weißt wie man ein Video hochladen kann, mit dem stimmt was nicht – sagte Lessig scherzhaft. Das tatsächliche Problem ist jedoch nicht der Umgang mit der Technik, sondern das Urheberrecht, welches immer noch im 20sten Jahrhundert steckt, wo

  • Ausdrucksmittel des privaten Menschen hauptsächlich Lesen & Schreiben waren,
  • Texte, Bilder, Musik & Video nur im privaten Rahmen ausgetauscht wurden und
  • die Urheberrechtsindustrie den Austausch unter Privatleuten (z.B. Kassetten tauschen) nicht überwachen konnte.

Diese „Heimkultur“ hat sich dank Technik nunmehr zu einer öffentlichen Remixkultur weiter entwickelt, in der

  • jeder Bilder, Musik und Videos kreieren kann,
  • diese öffentlich im Internet ausgestellt und ausgetauscht werden und
  • die Urheberrechtsindustrie den Austausch unter Privatleuten (z.B Filesharing, Websites) überwachen kann.

Diese neue Kultur kollidiert jedoch mit dem pauschalen Verbot des „Kopierens“, der jede Kopie verbietet, auch wenn sie nur für private Zwecke erstellt worden ist. Früher mochte die vergleichsweise umfangreiche Erlaubnis Texte zu zitieren als Ausnahme vom Urheberrecht genügen. Aber obwohl Bilder, Musik und Videos heutzutage denselben Stellenwert wie Worte haben, dürfen sie nicht so einfach wie Worte zitiert werden. Dazu zeigt Lessig Beispiele wie heute multimedial kommuniziert wird, indem Ideen aufgegriffen, verbessert oder einfach zu neuen Werken gemischt werden:


Lawrence Lessig – Auckland 3 11 2008

Damit stellt sich natürlich die Frage: Wenn die Welt sich verändert hat, warum wird das Recht nicht angepasst? Warum wird das Recht dazu genutzt die kreative Energie, die in uns allen steckt und nun hinaus kann, einzudämmen, anstatt sie zu unterstützen?

1. „Money economy“ und „Sharing economy“ verschmelzen zu einer Mischform.

Im privaten Bereich herrscht ein geldlose Tauschkultur. Omas tauschen neuesten Klatsch aus, Nerds Technikwissen und Paare Liebe. Im geschäftlichen Bereich beruht alles auf Geld. Am Kioskstand gibt es Zeitschriften mit Klatsch und Technikwissen fürs Geld und für Geld kann man auch (zumindest körperliche) Liebe kaufen.

Nun aber verschmelzen die beiden Tauscharten zusammen. Z.B. machen die Kundenrezensionen einen Großteil des Geschäftskonzeptes von Amazon.de aus. Auch Supportforen, die die meisten Hersteller pflegen werden von Kunden befüllt. Seiten wie Flicker oder Youtube machen nichts anderes als von Userinhalten zu leben.

Laut Lessig wird dieser Mischform von „money economy“ & „sharing economy“ die Zukunft gehören. Aber auch hier ist das Urheberrecht nicht auf der Höhe der Zeit. Zuerst verbietet es pauschal jede Kopie, sowohl für Privatleute wie auch für Unternehmen, welche dem Usercontent eine Plattform bieten. Was die Unternehmen angeht, so konnte sich Lessig eine Art pauschale Lizenzabgabe des Unternehmens für das Nutzen von Werken vorstellen.  Weiter gibt das Urheberrecht Privatleuten, Amateuren und kleinen Unternehmen, die sich keine Anwälte leisten können, keine einfachen Mittel an die Hand, ihre Rechte zu verwalten. Daher mussten solche Hilfsmittel wie die Creative Commons Lizenzen erfunden werden.

Lachschon.de

Lachschon.de ist eine Seite, die ich sehr gerne besuche und gleichzeitig ein perfektes Beispiel für Lessigs Darstellung einer Mischkultur, die von Userbeiträgen und derenRemixen lebt, ist. Es fängt mit einem normalen Bild an (zugegebenermassen sieht McCain da nicht grade gut drauf aus; das Originalbild ist von Reuters):

Lachschon - McCain

Das Bild wird von den Usern aufgegriffen und Gegenstand vieler Remixe (1,2,3):

McCain Evolution

 McCain Eis

 Whargable

Möchte jemand sagen, dass das Schund ist? Lessig bat vor der Antwort mal zu überlegen wieviel der gedruckten und geschriebenen Literatur hochgeistig ist. Schlecht gereimte Gedichte pubertierender Jugendlicher fallen mir dazu als Vergleich ein. Warum dürfen die Goethe kopieren und mit eigenen Ergüssen anreichern (Eigenerfahrung, Anm. d. Verf.)? Warum kommt niemand daher und versucht diese Verunstaltungen der Sprachkultur zu verbieten?

Weil dabei Talente entdeckt und trainiert werden? Weil bestehende Werke als Basis für neue Werke zu nutzen ein ganz normaler Entwicklungsprozess ist?

Und warum sollte das alles bei einem Lachschon-Bild anders sein?

Letztendlich war das Ergebnis von Lessig’s Vortrag, dass die Bemühungen der Copyrightindustrie zwar keinen vom Kopieren abhalten, aber erfolgreich Kinder zu Kriminellen machen.


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